Deutsche Telekom auf der Überholspur: Ist das Allzeithoch von 104,90 Euro jetzt wieder erreichbar?

Ein magentafarbenes Hinweisschild der Deutschen Telekom über Glasfaser-Bauarbeiten für schnelleres Internet
Foto: Deutsche Telekom AG

Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) ist dank ihrer US-Tochter T-Mobile US (WKN: A1T7LU) auf den Weg des profitablen Wachstums zurückgekehrt. Zuletzt wurden sogar neue Zehnjahreshochs markiert.

Aber das Allzeithoch aus dem Jahr 2000 bei 104,90 Euro ist noch weit entfernt. Gemessen am letzten Aktienkurs von 23,62 Euro (Stand: 1.7.24, gilt für alle Werte im Artikel) liegt er noch fast 80 % unterhalb des Allzeithochs.

Jüngere Anleger mögen sich an dieser Stelle fragen, ob es durchaus möglich ist, dass die Aktie der Deutschen Telekom wieder auf einen Wert von über 100 Euro steigt. Dazu lohnt sich zunächst ein Blick in die Historie sowie auf die aktuelle Bewertung und Zukunftspotenziale.

Überteuerter Börsengang, Dotcom-Hype und Bilanzskandal

Ein wesentlicher Grund, warum die Aktie der Deutschen Telekom seit dem Jahr 2000 so stark gefallen ist, lässt sich mit dem damaligen Börsenumfeld erklären. Zum Zeitpunkt des Börsengangs, der in mehreren Tranchen erfolgte, herrschte eine große Börseneuphorie. Sie führte dazu, dass die T-Aktie zu einem sehr hohen Preis am Markt angeboten wurde. 

Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an Manfred Krug, der im Fernsehen öffentlich für eine Zeichnung der T-Aktie als Volksaktie warb. Telekommunikationsaktien waren damals sehr gefragt. Es war die Pionierzeit des Internets und die der mobilen Kommunikation. 

Zahlreiche neue Geschäftsmodelle wurden entwickelt, der Mobilfunk kam in Schwung und die UMTS-Lizenzen versprachen enormes Wachstum. Gleichzeitig wurde eine kostspielige Auslandsexpansion gestartet. Diese Euphorie weckte bei vielen Anlegern überzogene Erwartungen an das zukünftige Wachstum und die Profitabilität des Unternehmens.

Leider konnte die Deutsche Telekom diese hohen Erwartungen in der Folgezeit nicht erfüllen. Hinzu kam, dass die Immobilien des Bonner Unternehmens zu hoch taxiert wurden. Als sich herausstellte, dass diese weit über ihrem tatsächlichen Marktwert bilanziert waren, musste der deutsche Ex-Monopolist hohe Abschreibungen vornehmen. Auch die teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen mussten später abgeschrieben werden.

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Einzig die Übernahme des damaligen US-Mobilfunkanbieters Voice Stream für gut 50 Mrd. US-Dollar sollte sich in diesem Zusammenhang später nicht als Fehlinvestition erweisen. Aus ihm entwickelte sich später der erfolgreichste Mobilfunkkonzern der Welt. Die Marktkapitalisierung von T-Mobile US liegt heute mit gut 200 Mrd. US-Dollar uneinholbar vor der Konkurrenz. Auch beim Wachstum überzeugen die Amerikaner mehr denn je.

Im Vergleich dazu ist die Marktkapitalisierung des Mutterkonzerns Deutsche Telekom mit 116 Mrd. Euro deutlich geringer. Dabei halten die Deutschen knapp die Mehrheit an dem US-Mobilfunker. Analysten bemängeln immer wieder, dass ein Großteil der Kapitalisierung bereits mit der US-Tochter gedeckt sei. Das Europageschäft gebe es daher zum Spottpreis.

Und in der Tat wird die Deutsche Telekom mit einem erwarteten KGV von 12,4 laut Morningstar nicht hoch bewertet. Für den Telekommunikationssektor wird aber bereits ein Aufschlag verlangt. Wohl zurecht, denn die Deutsche Telekom bietet deutlich mehr Wachstum und Potenzial als die Konkurrenz.

Ist ein Aktienkurs von über 100 Euro für die Deutsche Telekom realistisch?

Die Frage, ob ein Kurs von mehr als 100 Euro für die Deutsche Telekom erreichbar wäre, würde ich nicht verneinen. Die Antwort käme aber einer Kursvervielfachung gleich. Genau genommen müsste sich der Aktienkurs der Deutschen Telekom noch einmal mehr als vervierfachen. Konkret würde die Marktkapitalisierung dann auf mehr als 400 Mrd. Euro steigen.

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Ein derart starker Kursanstieg wäre mit den bisher erreichten Kennzahlen nur noch schwer zu rechtfertigen. Gemessen an den Konzernüberschüssen der letzten beiden Jahre von 8 bis 9 Mrd. Euro würde dann ein Ergebnismultiplikator über 50 aufgerufen. 

Angesichts des hohen Investitionsbedarfs in das Telekommunikationsnetz halte ich dies für eine Herausforderung. Auch würde ich nicht auf eine Beschleunigung des Wachstums ohne externe Faktoren setzen. Schließlich gilt der Telekommunikationsmarkt als gesättigt und zugleich noch als kapitalintensiv. In Kombination mit einer hohen Regulierung sind die Wachstumsaussichten vom Grundsatz her verhalten.

Umso überzeugender ist das bisher Erreichte. Vor allem die Fusion der US-Tochter mit Sprint hat für den entscheidenden Schub gesorgt.

Fazit

Auch wenn es für die Deutsche Telekom tendenziell möglich sein sollte, wieder einen Kurs von über 100 Euro zu erreichen, so erscheint dieses Ziel unter den bestehenden Wachstumspotenzialen äußerst ambitioniert. Kurz- und mittelfristig bleibt jedoch ein positives Momentum für die Aktie, welches Anleger in Kombination mit dem Dividendenpotenzial trotzdem zu einer Kauf- oder Halteposition bewegen könnte.

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Frank Seehawer besitzt Aktien der Deutschen Telekom. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von T-Mobile US.

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