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DAS wichtigste Merkmal langfristig steigender Aktien

Top-Aktien Eigenkapitalforum 2022
Foto: Getty Images

Kurz- und mittelfristig entwickeln sich Aktienkurse fast zufällig. Einen Tag geht es hoch, einen Monat runter. Ich traue mir daher nicht zu, vorherzusagen, wo eine Aktie in einer Woche, einem Monat oder auch in einem Jahr stehen wird. Letztendlich kann mir das auch egal sein, denn ich investiere langfristig. Auf Sicht von fünf, zehn oder zwanzig Jahre entwickeln sich Aktienkurse nämlich nicht zufällig. Doch was beeinflusst die langfristige Kursentwicklung? Worauf muss ich als langfristig orientierter Anleger besonders achten?

Studie von Morgan Stanley

Genau mit dieser Fragestellung hat sich Morgan Stanley Research beschäftigt. Im Rahmen einer Studie wurden die besten Aktien des S&P 500 im Zeitraum von 1990 bis 2009 betrachtet und jeweils untersucht, welchen Einfluss unterschiedliche Faktoren über unterschiedlich lange Zeiträume hatten. Folgende vier Faktoren erklären die Kursentwicklung: Free Cashflow, Bewertung (bzw. Multiple), Gewinnmarge und Umsatzwachstum.

1 Jahr3 Jahre5 Jahre10 Jahre
Umsatzwachstum29 %50 %58 %74 %
Gewinnmarge13 %20 %20 %15 %
Free Cashflow12 %11 %7 %6 %
Bewertung46 %19 %15 %5 %

Quelle: BCG Analysis, Morgan Stanley Research

Man erkennt, dass sich die Einflusshöhe der einzelnen Faktoren mit zunehmender Dauer verschiebt. Auf Sicht von einem Jahr lässt sich die Kursentwicklung zu 46 % durch eine veränderte Bewertung erklären. Die Entwicklung der Aktienkurse vieler Wachstumsunternehmen im letzten Jahr ist ein perfektes Beispiel dafür. Die kurzfristige Kursentwicklung wird also weniger stark von der operativen Entwicklung geprägt, schwankt fast zufällig und verändert somit die Bewertung. Das Umsatzwachstum hat lediglich einen Einfluss von 29 %.

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Je länger man diesen Zeitraum streckt, desto stärker kehrt sich dieses Bild jedoch um. Auf Sicht von drei Jahren hat die Bewertung nur noch einen Einfluss von 19 %, bei zehn Jahren sind es lediglich 5 %. Auf lange Sicht spielen also fast ausschließlich operative Zahlen des Unternehmens eine Rolle. Und von diesen Faktoren ist das Umsatzwachstum mit einem Einfluss von 74 % auf die langfristige Aktienkursentwicklung mit Abstand das entscheidendste.

Warum das Umsatzwachstum entscheidend ist

Damit ein Aktienkurs langfristig steigen kann, muss das zugrunde liegende Unternehmen langfristig wachsen. Kostolany und sein Bildnis von Herrchen und Hund beim Spaziergang verdeutlichten dies gut. Das Unternehmen muss also langfristig seine Gewinne und Cashflows steigern. Kurzfristig können dazu Margen erhöht werden. Langfristig stößt man damit jedoch schnell an seine Grenzen. Der wirkliche Hebel, um Gewinne langfristig stark zu steigern, ist das Umsatzwachstum.

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Fallstricke bei der Betrachtung des Umsatzwachstums

Wenn es so einfach ist, langfristig gute Aktien zu finden, kaufe ich einfach Aktien von den Unternehmen, die heute stark wachsen, oder? Das offensichtliche Problem dabei ist, dass wir das Umsatzwachstum der nächsten zehn Jahre nicht kennen. Wir können es nur abschätzen anhand der aktuellen Unternehmensentwicklung, des Managements, der Optionalität des Unternehmens, des Burggrabens und so weiter.

Allerdings ist nicht jedes Unternehmen, das stark wächst, auch zwangsläufig langfristig ein gutes Investment. Früher oder später muss sich das Wachstum auch in steigenden Gewinnen niederschlagen.

Außerdem ist die Bewertung auch langfristig nicht ganz unbedeutend. Es kann sein, dass ein Unternehmen seinen Umsatz zwar langfristig steigert, das Wachstum jedoch unter den Erwartungen der Anleger liegt. Als Konsequenz wird die sinkende Bewertung auch langfristig den steigenden Umsatz überkompensieren. Dies könnte bei einigen im letzten Jahr abgestürzten Highflyern der Fall sein.

Trotz dieser Schwierigkeiten finde ich die Untersuchung von Morgan Stanley sehr interessant. Sie bestätigt mich in meinem Ansatz, auf Aktien mit hohem (zukünftigen) Umsatzwachstum zu setzen.

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