Darum freue ich mich über den aktuellen Börsencrash

Beim Blick in mein Depot kommt definitiv keine Freude auf. Denn in den letzten Monaten hat mein Portfolio deutlich an Wert eingebüßt. Dennoch bin ich mit der aktuellen Entwicklung an der Börse und der Gesamtwirtschaft nicht unzufrieden.
Besser früher als später
Ein Bärenmarkt, also ein Kursrückgang von mindestens 20 % im breiten Aktienmarkt, tritt regelmäßig auf. In den letzten 75 Jahren gab es im Durchschnitt ungefähr alle fünf Jahre einen Bärenmarkt. Auslöser waren unter anderem eine Ölkrise, übertriebene Bewertungen bei der Dotcom-Blase, eine Preisblase bei US-Immobilien, die Corona-Pandemie und zuletzt eine Kombination aus hoher Inflation, dem Krieg in der Ukraine, steigenden Leitzinsen und Lockdowns in China.
Es finden sich also immer wieder Gründe. Wichtig ist, dass ein Crash früher oder später kommen muss. Diesen zu timen ist meiner Einschätzung nach jedoch unmöglich. Da ich dabei bin, mein Vermögen aufzubauen und entsprechend heute weniger Geld als in einem Jahr investiert habe, freue ich mich, wenn der Crash heute kommt.
Positive Auswirkungen auf die Zukunft
Denn der heutige Crash „schützt“ mich sozusagen vor einem Crash in naher Zukunft. Durch den Kursabsturz der letzten Monate verbunden mit einer anhaltenden Gewinnsteigerung der Unternehmen sank das KGV des S&P 500 von beinahe 40 im Dezember 2020 auf zuletzt 21. Die Bewertungen vieler Wachstumsunternehmen sind noch deutlich stärker gefallen. Ein weiterer Absturz aufgrund zu hoher Bewertungen wird somit unwahrscheinlicher.
Zudem gewinnen viele Notenbanken mit ihren aktuellen Zinssenkungen Spielraum, um auf zukünftige Krisen reagieren und diese somit abfedern zu können. Das aktuelle Umfeld höherer Zinsen, höherer Kosten und eines gesunkenen Risikoappetits führt weiterhin dazu, dass „schlechte Unternehmen“ vom Markt verschwinden werden – was dem Gesamtmarkt langfristig guttut (Stichwort: schöpferische Zerstörung). Schließlich sehe ich es positiv, dass viele Unternehmen angesichts der Erfahrungen aus der Corona-Krise und des Ukraine-Krieges versuchen, ihre Abhängigkeiten zu verringern. Auch dies macht die Weltwirtschaft weniger anfällig für zukünftige Krisen – zum Beispiel, wenn der China-Taiwan-Konflikt einmal eskalieren sollte.
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Attraktive Kaufchancen
Zu guter Letzt freue ich mich natürlich über den Börsencrash, weil ich viele attraktive Kaufchancen wittere. Während die Aktienkurse bei vielen Wachstumsunternehmen um 50 % und mehr abgestürzt sind, empfinde ich die langfristigen Aussichten als unverändert gut. Mir kommt es so vor, als würde die Kursübertreibung nach der Corona-Krise aktuell in das Gegenteil umschlagen. Unternehmen aus den Bereichen E-Commerce, digitale Bezahllösungen, Designsoftware und Cybersicherheit wurden meiner Einschätzung nach über die Maßen abgestraft.
Ich kaufe jeden Monat Aktien und kaufe in diesen Bereichen zu deutlich gesunkenen Bewertungen nach. Ich vertraue darauf, dass der breite Markt weiterhin immer neue Hochs erreichen wird und dass diese Branchen im nächsten Jahrzehnt florieren werden. Der aktuelle Börsencrash ist für mich somit auf lange Sicht gesehen eher ein Segen als ein Fluch.
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