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Uniper Kraftwerk Datteln 4
Quelle: Uniper

2016 spaltete Eon (WKN: ENAG99) sein Kohlesegment sowie Gas und Wasserkraft ab und brachte die drei als Spin-off unter dem Namen Uniper (WKN: UNSE01) an die Börse. Heute notiert die Aktie bei 29,79 Euro (Stand: 1. Juni 2021). Ist Uniper heute mehr als nur eine Resterampe?

Politisch stehen die fossilen Energieträger erheblich unter Druck

Im Jahr 2020 stieg zwar die Nennleistung der Kohlekraftwerke von Uniper nochmals leicht an auf 30.430 Megawatt, doch ihre Lebensdauer ist endlich. Insbesondere die Umsätze mit Gas und Strom sanken zwischen 2019 und 2020 deutlich – jeweils um 25 %. Die Auf- beziehungsweise Umrüstung steht ganz oben auf der Agenda.

Im März 2020 stellte Uniper seine neue Strategie der Dekarbonisierung vor. Bis zum Jahr 2050 will der Konzern klimaneutral wirtschaften. Die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung in Europa sollen bereits bis 2030 halbiert werden.

Entsprechend investierte der Konzern im Jahr 2020 nochmals viel Geld. Allein in den grünen Umbau der Stromerzeugung flossen 555 Mio. Euro. Zum Erhalt der bestehenden Buchwerte wurden 725 Mio. Euro aufgewendet.

Uniper setzt auf Flüssiggas

Die Düsseldorfer wollen in Zukunft mehr Tankstellen bauen, an denen Lastwagen mit flüssigem Erdgas (LNG) betankt werden können. Bis zu 25 solcher LNG-Stationen will Liqvis bis Ende 2023 in Deutschland betreiben. Bislang betreibt die Uniper-Tochter vier stationäre und zwei mobile LNG-Tankstellen in Deutschland. Insgesamt existieren in Deutschland, nach Angaben des Unternehmens, 54 solcher Tankstellen. Uniper erwartet aufgrund der steigenden Transportmengen auf der Straße für Flüssigerdgas gute Absatzchancen.

Lastwagen sind bis 2023 von der Autobahnmaut in Deutschland befreit, wenn sie mit Flüssiggas betrieben werden. Damit will die Politik den Transportunternehmen einen Anreiz geben, ihre Lkw-Flotten auf klimafreundliche Antriebe umzurüsten. Nach Liqvis-Angaben stößt ein mit Flüssigerdgas betriebener Lastwagen bis zu 20 % weniger Kohlendioxid aus als ein Diesel-Lkw.

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Liqvis will ab Herbst 2022 auch CO2-neutrales LNG anbieten. Ein erster Liefervertrag sei bereits abgeschlossen. Die lieferbaren Mengen würden aber noch nicht ausreichen, das komplette Tankstellennetz zu versorgen. Das Bio-LNG wird aus Reststoffen erzeugt. Zusätzliche Agrarflächen sind daher nicht nötig.

Kann der neue CEO Akzente setzen?

Der Uniper-Konzern trennte sich vor wenigen Wochen von CEO Andreas Schierenbeck und von CFO Sascha Bibert. Beide verließen das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Neuer Vorstandschef wurde Klaus-Dieter Maubach, einst Technikvorstand bei Eon und bisheriger Aufsichtsratschef von Uniper.

Maubach hat viel Erfahrung gesammelt in der deutschen und europäischen Energiewirtschaft. Und er hat in dieser Zeit vor allem gute Beziehungen zum Uniper-Hauptaktionär Fortum (WKN: 916660) aufgebaut. Die Finnen halten rund 75 % der Anteile.

Neue Finanzchefin wurde Tiina Tuomela. Sie leitet seit 2016 den Geschäftsbereich Nordic Power Generation von Fortum und ist seit 2014 Mitglied des Fortum-Executive-Management-Teams. Seit 2020 ist auch Tuomela-Mitglied des Uniper-Aufsichtsrats.

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Uniper hat zu kämpfen

Die Zahlen schwächeln seit dem Börsengang deutlich. Der Umsatz sank in den letzten fünf Jahren um 11,2 % pro anno. Der Nettogewinn rauschte im letzten Geschäftsjahr um mehr als ein Drittel nach unten.

Auch die Margen sind dünn. Die Bruttomarge pendelt seit 2016 zwischen 3,8 und 5,6 %. Die Nettomarge war lange negativ. Für das Geschäftsjahr 2020 liegt sie bei 0,8 %.

Für die Aktionäre bleibt wenig hängen. Der Free Cashflow – wir Foolishen Investoren sprechen hier vom Eigentümergewinn – lag 2020 bei 516 Mio. Euro. 2016 wurden noch 1,4 Mrd. Euro erzielt. Große Sprünge sind hier mittelfristig nicht zu erwarten. Die Eigenkapitalrendite lag 2020 bei 3,6 %. Auch sie gibt keinen Grund zum Jubeln.

Zu teuer für eine Turnaround-Wette

Mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29 und einem Kurs-Cashflow-Verhältnis von 9 ist mir die Uniper-Aktie zu hoch bewertet für einen Einstieg. Manch ein Anleger vermutet hier vielleicht eine nette Turnaround-Chance. Doch ich bin insbesondere in Sachen Fortum skeptisch. Der Mehrheitseigner – selbst ein großer Energieversorger, hinter dem mehrheitlich der finnische Staat steckt – macht einen aktivistischen Eindruck.

Ich warte erst einmal ab, wie sich der neue CEO Maubach behaupten wird. Schließlich ist gutes, weil umsichtiges und wachsames Management ein essenzielles Kriterium, wenn wir starke Unternehmen finden wollen.

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Henning Lindhoff besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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