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IPOs 2020: Put a Tiger in Your Tank

Foto: Getty Images

Das turbulente letzte Jahr hatte wenigstens den Nebeneffekt, dass viele von uns wieder mehr Zeit zum Lesen hatten. So habe ich endlich Haruki Murakamis umfangreiches Werk 1Q84 gelesen. Wer es auf Deutsch und im Taschenbuchformat liest, hat exakt 1.600 Seiten vor sich.

Ein Schlüsselsymbol in dem Roman ist eine Werbetafel an der Autobahn, die Benzin von Esso anpreist. Der Slogan darauf: Put a Tiger in Your Tank.

Ich musste im Alltag oft an diesen Satz denken, besonders in der zweiten Jahreshälfte, als die Aktienmärkte fleißig kletterten und es jede Menge erfolgreiche Börsengänge (neudeutsch IPOs) zu verzeichnen gab.

Wer hätte am Anfang der globalen Pandemiewelle gedacht, dass es bald schon eine extrem dynamische Phase für Börsengänge geben würde, bei denen einige Aktien schon am Tag ihrer Erstnotierung durch die Decke schießen? Und war das übertriebene Euphorie oder gerechtfertigt und wirtschaftlich gesund? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Schauen wir uns einmal die Zahlen an. Laut einem Bericht von Baker McKenzie gab es 2020 den aktivsten IPO-Markt seit einem Jahrzehnt. Es wurden global 331 Mrd. US-Dollar in 1.591 Börsengängen eingesammelt. Viel mehr als 2019.

In den USA war der Trend sehr stark ausgeprägt. Es gab die höchste Zahl an Börsengängen seit 20 Jahren. Und mit deutlich über 100 Mrd. US-Dollar an eingesammeltem Kapital wurde ein neuer Rekord verzeichnet.

An Euphorie wurde ebenfalls nicht gespart. Nach Berechnungen von CNBC haben sich 19 der Börsenneulinge gleich am Tag ihres Börsengangs verdoppelt. In 2019 war das bei lediglich drei Börsendebuts der Fall, in den Jahren 2016, 2017 und 2018 jeweils nur bei einem einzigen.

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Bei solchen Zahlen darf einem also durchaus schwindelig werden, nicht zuletzt da nicht klar ist, wie gut sich die Wirtschaft von der Corona-Pandemie erholen kann. Der eine oder andere Kurssprung wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit als nicht nachhaltig herausstellen. Dass wir uns aber in einer breiten, komplett übertriebenen Blase befinden, muss keineswegs der Fall sein.

Natürlich sagt die Höhe des eingesammelten Kapitals ohnehin nichts über die konkreten einzelnen Bewertungen aus, aber in einige der durchaus fordernden Bewertungen dürften die jungen Wachstumsunternehmen noch reinwachsen können, auch wenn gute Renditen ausgehend von den ambitionierten Kursniveaus natürlich keineswegs Selbstläufer sind.

Noch anders betrachtet: In 2020 wurde in den USA mit Börsengängen Kapital eingesammelt, das gerade einmal grob 8 % des aktuellen Börsenwerts von Apple entspricht. Muss es wirklich übertrieben sein, wenn der Aktienmarkt seiner zentralen Aufgabe nachkommt und Unternehmen Kapital in dieser Größenordnung für Investitionen in die eigene Zukunft bereitstellt? Mir kommt das nicht unbedingt abenteuerlich vor.

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Die Zukunft wird zeigen, ob sich 2020 als Jahr einer übertriebenen Euphorie herausstellen wird. Bisher bleibt festzustellen, dass wir im Laufe des Jahres erfolgreich darin waren, Optimismus und Investitionsfreude an den Finanzmärkten zu wecken – einen Tiger in unseren Tank zu stecken. Das belebt die Wirtschaft und kann uns dabei helfen, mit Dynamik und Innovationskraft aus der aktuellen Krise herauszukommen.

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Offenlegung: Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple.

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