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Wirecard wird mit einem KGV von 0,5 gehandelt – ist das jetzt attraktiv?

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Foto: Getty Images

Sucht man die Aktie von Wirecard (WKN: 747206), dann nennen einschlägige Suchmaschinen ein sensationell günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 0,5. Es sind wohl solche Kennzahlen, die Anlegern Zuversicht geben. Auch zum Wochenschluss am 24. Juli legte die Aktie noch einmal einen Spurt hin. So ganz unberechtigt sind die Hoffnungen auch gar nicht.

Wirecard: Kennzahlen extrem

Früher habe ich mich gewundert, warum der Markt bereit war, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fast 100 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von über 10 zu bezahlen. Heute steht die Welt Kopf. In Börsenportalen wird ein 2019er-Gewinn von 3,90 Euro je Aktie geführt, was bei einem Kurs von nicht 2 Euro ein KGV von 0,5 ergibt.

Bei vielen Konkurrenten von Wirecard liegt das KGV noch immer jenseits von 50. Immerhin sind diese Gewinne jedoch – wahrscheinlich – real. Bei Wirecard hingegen war vieles Fake. Niemand sollte deren frühere Gewinnausweise als Basis für ein Investment heranziehen. Und doch könnte es interessant sein, einen Moment darüber nachzudenken.

Schließlich zweifelt doch eigentlich niemand daran, dass Wirecard tatsächlich ein ernsthafter Wettbewerber für die weiterhin so teuer bewerteten Zahlungsdienstleister gewesen ist. Die große Entwicklermannschaft und das umtriebige Business Development existierten wirklich. Von daher halte ich es für nicht sehr weit hergeholt, dass gesundgeschrumpfte Geschäftsbereiche von Wirecard profitabel am Markt agieren und damit bei der aktuellen Zerschlagung auch einen guten Preis erzielen können.

Verschiedene Szenarien sind möglich

In vielen Fällen bedeutet Insolvenz, dass für Aktionäre alles weg ist und die Gläubiger entweder die Erlöse unter sich aufteilen oder zu Eigentümern werden. Bei einem mittelständischen Betrieb weiß ein Insolvenzverwalter meistens sehr schnell, was Sache ist. Dann wird über ein Fortführungskonzept diskutiert und wenn dies scheitert, werden die Vermögensgegenstände versteigert.

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Bei Wirecard ist alles ein paar Stufen komplizierter. Wir haben es mit schwer einschätzbaren Auslandstöchtern, unklaren Bilanzverhältnissen, Gerichtsprozessen, weit verzweigten Geschäftsbeziehungen und der vom Insolvenzverfahren ausgesparten Wirecard-Bank zu tun. Wie viel damit über die nächsten Quartale erlöst werden kann, steht in den Sternen. Wenn es gelingt, das Eigenkapital über der Nullmarke zu halten, dann könnte das Unternehmen in der einen oder anderen Form weiterexistieren und ein Totalverlust für Aktionäre abgewendet werden.

Optimalerweise summieren sich die Erlöse der aktuell zum Verkauf stehenden Teile bereits auf einen Wert, mit dem Gläubiger bedient werden können. Dann würde den Aktionären immerhin noch die Wirecard Bank gehören, einschließlich der ambitionierten Mobilbank boon.PLANET. Die Chance darauf kostet an der Börse im Moment 240 Mio. Euro. Zur Erinnerung: Die schnell expandierende App-Bank N26 wurde zuletzt mit rund 3 Mrd. Euro bewertet.

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Es bleibt spannend

Beim Betrachten der Wirecard schlagen zwei Herzen in mir. Das eine ist voller Abscheu vor den betrügerischen Aktivitäten des Managements, während das andere großen Respekt vor den Entwicklungsleistungen der Programmierer und Projektmanager hat. Ich fände es wünschenswert, dass die vielfältigen Lösungen – für gutes Geld – ein neues Zuhause finden, wo die Potenziale sich seriös entfalten können.

Die Tatsache, dass die 2024er-Anleihe derzeit gerade einmal bei rund 13 % notiert, deutet allerdings darauf hin, dass auch die Gläubiger mit erheblichen Einbußen rechnen. Selbst wenn man angesichts der hohen Risiken eine Rendite von 25 % pro Jahr ansetzen würde, impliziert dieser Kurs, dass fast 70 % der Forderungen abgeschrieben werden müssen.

Der Anleihemarkt hat offenbar nur wenig Vertrauen in das Verkaufsgeschick des Insolvenzverwalters – bzw. er rechnet damit, dass weitere Unregelmäßigkeiten und auflaufende Verluste noch viel größere Löcher in die Bilanz reißen werden. Außerdem hält er es wohl für ausgeschlossen, dass über den Klageweg noch größere Geldsummen hereingeholt werden können.

Herrscht hier zu viel Pessimismus rund um die Anleihe? Oder sind die Aktionäre zu optimistisch? Ich mag mich noch nicht entscheiden. Am Ende könnten es Details sein, die den Unterschied ausmachen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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