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Steinhoff dreht am Ruder: Geht da doch noch etwas?

Achterbahnfahrt
Foto: Getty Images

Über die letzten Monate schwand die Hoffnung der Anleger zusehends, was die Zukunft der Aktie von Steinhoff International (WKN: A14XB9) angeht. Die Schulden, die schwache operative Profitabilität und das aufgebrauchte Eigenkapital legen nahe, dass die Gläubiger vielleicht noch mit einem blauen Auge davonkommen, aber für Aktionäre nichts mehr bleibt. Noch ist jedoch nicht aller Tage Abend: Wenn jetzt ein paar Dinge richtig laufen, dann kann Steinhoff möglicherweise doch noch den Hals aus der Schlinge ziehen.

Wo jetzt Chancen entstehen

Ein großes Risiko für die Aktionäre besteht in den zahlreichen Klagen gegen das Unternehmen. Offenbar versuchen frühere Anteilseigner, die sich natürlich betrogen fühlen, über den juristischen Weg Schadensbegrenzung zu betreiben — letztlich auf Kosten der aktuellen Aktionäre. Ob das funktionieren kann, vermag ich nicht zu sagen. Sicher ist jedoch, dass Steinhoff selbst ebenfalls genug Gründe hat, um unter betrügerischen Umständen abgeflossene Gelder zurückzufordern.

Vielleicht fließt über gewonnene Prozesse letztlich mehr Geld an die Holding zurück, als sie wegen verlorenen ausbezahlen muss, wer weiß? Jedenfalls würde ich die Risiken an dieser Stelle nicht überbewerten. Aktuell liegt der Fokus des Managements darauf, genau dafür tragbare Lösungen zu finden, um sich endlich mit voller Kraft auf die operative Restrukturierung konzentrieren zu können.

Das wäre auch dringend nötig, denn alle Töchter brauchen derzeit erhöhte Aufmerksamkeit. Am meisten Freude macht dabei zweifellos die frühere Pepkor Europe, welche kürzlich in Pepco Group umbenannt wurde. Mit den Hauptmarken Pepco, Dealz und Poundland ist die Einzelhandelskette auf profitablem Expansionskurs und auf dem besten Weg, ein paneuropäisches Netzwerk für Kleidung und Haushaltsartikel zu errichten. Zudem arbeitet Poundland gerade hart daran, seine Mietkosten in ganz Großbritannien um 20 Mio. Pfund zu drücken.

Nun wird berichtet, dass ein Börsengang bevorstehen könnte, und darin liegt eine Chance: Beispielsweise könnte Steinhoff dafür sorgen, dass Pepco neue Aktien ausgibt, um sich mit Kapital vollzupumpen. In der Folge könnte die Tochter sowohl ihr dramatisches Wachstum problemlos finanzieren als auch hohe Dividenden ausschütten. Soweit Steinhoff dann immer noch Mehrheitsaktionär bleibt, würden der Holding hohe Beträge zufließen, wohingegen im Moment der Zugriff auf die Liquidität von Pepco verwehrt ist.

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Was noch besser werden muss

Pepco ist definitiv ein wichtiges Element einer etwaigen Lösung. Allerdings wird allein das nicht ausreichen. Schließlich lasten zum Stand 13. August satte 9 Mrd. Euro auf der Bilanz der Holding, für die jährlich rund 900 Mio. Euro Zinsen anfallen. Folglich müssen auch an den anderen Fronten Erfolge her und da sieht es nicht so klasse aus.

Aus Frankreich ist zu hören, dass Conforama weiterhin am Ächzen ist. Während IKEA mit seiner Eigenmarke zunehmend auch im Onlinegeschäft Erfolge feiert, wird der Vielmarkenvertrieb dort von der Billigkonkurrenz erdrückt. Im stationären Geschäft wiederum sind aktuell Schließungen und Entlassungen angesagt. Ob auf die Schrumpfkur endlich wieder vernünftige Profite folgen, ist noch lange nicht klar. Aktionäre der MediaMarkt-Mutter CECONOMY (WKN: 725750) wissen, wovon ich rede.

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Auch in Südafrika geht es nicht wie gewünscht voran. Die weitgehend selbstständig agierende Beteiligung PEPKOR tritt auf der Stelle. Steinhoff bräuchte eine Rückkehr des Aktienkurses auf weit über 2.000 Rand-Cent. Tatsächlich dümpelt er jedoch im Bereich von 1.700 Rand-Cent. Zumindest bewegt sich der südafrikanische Rand recht stabil im Bereich von 0,06 Euro. Außerdem dürfte mittelfristig Besserung für die Tochter in Sicht sein. Die profitable PEPKOR hat einige richtig spannende Entwicklungen am Laufen und auch das Bevölkerungswachstum von über 1 % sollte unterstützend wirken.

Ein schmaler Grat

Es gibt einen Weg heraus aus dem Labyrinth. Aber genauso wie die hoch bezahlten Buchprüfer von Deloitte und PwC sich in den betrügerischen Zahlenwerken ziemlich verirrt haben, ist auch für Steinhoff weiterhin unklar, ob das Vorhaben gelingt. Jede weitere Negativmeldung kann jetzt Absturz und Ende bedeuten.

Wenn es allerdings gelingt, an der juristischen Front ein gutes Ergebnis zu erzielen, Pepco erfolgreich an die Börse zu bringen sowie Conforama und die Überseebeteiligungen profitabler aufzustellen, dann müsste eigentlich nur noch der Kurs von PEPKOR hochziehen und eine Lösung, welche neue Werte für Aktionäre schafft, wird zum Greifen nah. Unmöglich ist das nicht, denn sobald Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird, steigt auch die Kreditwürdigkeit wieder, was eine deutlich günstigere Refinanzierung ermöglichen würde. Ob die Steinhoff-Aktie für dich interessant ist, hängt daher im Wesentlichen von der Wahrscheinlichkeit ab, die du diesem sehr optimistischen Szenario beimisst.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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