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Offshore-Wind: Auf dem Sprung in ein neues Zeitalter

Neue Siemens Offshore-Turbine 2016 Siemens Energy
Bildquelle: www.siemens.com/presse

Während Senvions hochtrabende Pläne für eine 12-Megawatt-Turbine wohl in der Nordsee versinken, zeigt sich in den letzten Tagen, dass die Marktführer weiter nach vorne preschen. Gleich drei spannende Meldungen innerhalb kürzester Zeit versprechen glänzende Geschäfte für Siemens Gamesa (WKN: A0B5Z8), Mitsubishi Heavy Industries (WKN: 853314)/Vestas (WKN: 913769) und General Electric (WKN: 851144).

Die Superturbinen kommen

Schon seit Monaten ist bekannt, dass General Electric eine Großoffensive in den Offshore-Windmarkt plant. Mit einer neu entwickelten 12-Megawatt-Turbine will die in Frankreich angesiedelte Erneuerbare-Energien-Tochter Marktanteile erobern. Nun wurde gemeldet, dass der Prototyp des Modells GE Haliade-X mit seinen gigantischen 107 Meter langen Rotorblättern bei Rotterdam vollständig errichtet wurde.

Nächstes Jahr soll die Zertifizierung abgeschlossen sein und 2021 startet die Serienproduktion, wenn alles nach Plan verläuft. Siemens Gamesa und Vestas-MHI haben unterdessen ebenfalls Modelle mit 10 Megawatt und mehr in der Pipeline.

Das in einem europäischen Forschungsprojekt mit einem guten Dutzend zum Teil hochrangigen Partnern wie EnBW oder Ingeteam entwickelte 12-Megawatt-Anlagekonzept von Senvion wird es hingegen voraussichtlich nicht mehr auf den Markt schaffen. Trotzdem dürfte der Kampf um die leistungsstärkste Turbine den Markt weiter anheizen.

Schwimmende Fundamente öffnen riesige Märkte

Senvion war auch einer der Pioniere, wenn es um schwimmende Fundamente geht. 2017 wurde das Unternehmen als Partner für ein entsprechendes Projekt im französischen Mittelmeer ausgewählt. Das kam zu spät, hatte aber Potenzial: Gelingt es nämlich, eine wirtschaftliche Konstruktion zu entwickeln, welche den Belastungen auf hoher See standhalten kann, dann ergeben sich völlig neue Perspektiven für die gesamte Industrie. Schließlich ist die Fläche mit Wassertiefen, wo konventionelle Stützbauten Sinn ergeben, begrenzt. In vielen windreichen Regionen, etwa bei vielen Pazifikanrainern, fällt die Küste recht steil ab.

Nun haben sich der an dem Projekt beteiligte französische Spezialist Ideol und der japanische Baukonzern Taisei (WKN: 857627) darauf verständigt, die führende Technik für eine schwimmende Plattformen mit Dämpfungsbecken beschleunigt zur Marktreife zu führen.

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Auch in Großbritannien ist kürzlich eine Studie zum Schluss gekommen, dass die Ausbauziele nicht erreicht werden können, wenn diese Technologie nicht beherzter vorangetrieben wird. Gleichzeitig frohlocken Akteure in den USA, dass sie verlorenes Terrain zurückerobern könnten, wenn das Land sein Offshore-Know-how aus der Erdölindustrie dafür einsetzt, um sich beim Thema Floating Offshore Wind Power an die Spitze zu setzen.

Konkreter ist jedoch das HyWind-Projekt von Equinor (WKN: 675213), das zwischen zwei Ölplattformen platziert wird und 2022 betriebsbereit sein soll. Mitte Oktober haben die Norweger detaillierte Pläne dafür eingereicht.

Nach langen Jahren der Visionen und Tests eröffnen sich nun schon mittelfristig gewaltige Potenziale. Fernab von den Küsten könnten zukünftig die größten Turbinen der Welt in den Ozeanen schwimmen und zum Beispiel Wasser und Luft in energiereichen und gut speicherbaren Ammoniak verwandeln.

Aufträge im Gigawattbereich werden üblich

Nachdem Siemens Gamesa die vollständige Zertifizierung der 8-Megawatt-Turbine abgeschlossen hat, kann sich das Unternehmen auf die Abarbeitung der letzten Großaufträge konzentrieren, darunter Hornsea 2 und Greater Changhua 1 & 2a. Gegenüber Hornsea 1, wo noch die 7-Megawatt-Anlage zum Einsatz kam, soll der Stromertrag je Turbine um 20 % steigen, mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Stromgestehungskosten.

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Die Projekte in Großbritannien und Taiwan haben eine Kapazität von 1,4 bzw. 0,9 Gigawatt, was bedeutet, dass sie jeweils einen Kohlekraftwerksblock ersetzen können. Jetzt wurde bekannt, dass SSE Renewables für sein rund 1 Gigawatt schweres Seagreen-Projekt MHI-Vestas als bevorzugten Turbinenlieferanten ausgewählt hat. Windparks dieser Größenordnung werden zunehmend Standard, nachdem im Juni das 1,1-GW-Project Ocean Wind vor der US-Atlantikküste vergeben wurde, Großbritannien Vollgas gibt und auch weitere Länder in immer größere Dimensionen vorstoßen.

Dieser Trend bricht nicht so schnell ab

Bereits jetzt reicht das Auftragsbuch für den Aufbau neuer Windfarmen bis weit in das kommende Jahrzehnt hinein. Turbinen mit über 10 Megawatt Leistung stehen in den Startlöchern und werden für weiter sinkende Kosten sorgen, welche die Technik auch für schwerer zugängliche oder windärmere Regionen zunehmend attraktiv machen. Gleichzeitig entwickeln sich nun zwei weitere starke Treiber mit Macht: schwimmende Fundamente sowie grüne Kraftstoffe wie Wasserstoff, Methanol und Ammoniak.

Der Offshore-Markt ist noch jung und doch von der Anbieterseite her bereits hoch konsolidiert. Die großen drei auf hoher See einzuholen, wird selbst für chinesische Herausforderer eine Herkulesaufgabe darstellen. Dass offenbar niemand bereit ist, die weit fortgeschrittene Entwicklung einer 12-Megawatt-Turbine von Senvion fortzuführen, spricht Bände.

Wie nicht zu übersehen, bin ich begeistert von den Chancen. Mit den Aktien von Siemens Gamesa partizipieren Anleger mit Abstand am stärksten vom Offshore-Trend. Wer sich breiter aufstellen will, sollte sich den Windkraftmarktführer Vestas genauer ansehen.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens Gamesa. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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