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Mit Atomstrom gegen NEL: Wie EDF einen Wasserstoffrivalen schmiedet

Foto: Getty Images

Wenn ich über die Zukunft von NEL (WKN: A0B733) nachdenke, dann kommt mir immer wieder eine Frage in den Sinn: Wie stark wird der Wettbewerb in einigen Jahren sein? So, wie es aussieht, ist der französische Energieversorger EDF (WKN: A0HG6A) sehr motiviert, einen gefährlichen Rivalen zu schmieden.

Wie EDF still und leise ein kleines H2-Imperium aufgebaut hat

Die EDF Group ist bisher vor allem für ihre unübertroffene Flotte von Atomkraftwerken bekannt, die den Großteil des französischen Energiebedarfs abdecken und gelegentlich auch mal in Deutschland aushelfen, wenn Wolken und Windflaute herrschen.

Über die letzten Quartale ist jedoch eine Reihe von Maßnahmen in die Wege geleitet worden, die darauf hindeuten, dass der Konzern die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft aktiv gestalten möchte. Mit all der Kernkraft im Rücken könnte sich EDF zu einem starken Wettbewerber entwickeln, wenn es gelingt, billigen Überschussstrom zur effizienten Produktion von Wasserstoff zu nutzen und diesen mit passender Logistik in großen Mengen zu vertreiben.

Mittlerweile verfügt EDF über vielfältige Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette. Über den Einstieg bei McPhy Energy (WKN: A1XFA8) im Juni 2018 hat EDF Zugriff auf eine breite Palette an passender Hardware, einschließlich Elektrolyseanlagen, H2-Tankstellen und Speicherlösungen — schon mal ganz ähnlich wie bei NEL also. Das ist jedoch nur einer der Bausteine der Wasserstoffstrategie.

Bereits 2017 übernahm EDF die Kontrolle über die damalige Areva NP, die heute Framatome heißt. Zu deren deutschen Tochter, die im Wasserstoff-Kompetenz-Cluster Erlangen-Nürnberg angesiedelt ist, gehört das Spin-off Covalion. Dieses hat sich unter anderem mit seinen Second-Life-Batterien in Kooperation mit Audi einen Namen gemacht, forscht und entwickelt jedoch auch an ganzheitlichen Lösungen zur Sektorkopplung mit Wasserstoff. Zudem liefert Covalion maßgeschneiderte H2-Tankstellen und Elektrolyseanlagen.

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Was die Speicherung angeht, kooperiert das Spin-off mit der ebenfalls in Erlangen ansässigen Hydrogenious LOHC Technologies, die eine aussichtsreiche Lösung für den kostengünstigen und gefahrlosen Transport von Wasserstoff gemeinsam mit weiteren leistungsfähigen Partnern vorantreibt. Mit dem Kürzel LOHC ist eine ölige Flüssigkeit gemeint, die große Mengen des leichten Gases über einen Hydrierprozess binden und dann wieder kontrolliert freisetzen kann. Im März wurde die Absicht zur fortwährenden Zusammenarbeit erneuert.

Eine weitere Kooperation besteht mit Hynamics, einer im April 2019 gegründeten Einheit von EDF, die die Wertschöpfungskette vom Atom-, Sonnen- und Windstrom bis zur Distribution organisieren soll, zunächst in Frankreich und dann rund um die Welt.

Was das für NEL bedeutet

Im Moment würde ich sagen, ist NEL weiter vorangeschritten, was die Industrialisierung angeht. Neben der Serienfertigung mit wachsender Kapazität hat NEL auch eingespielte Partnerschaften, auf die sich die Norweger verlassen können. Beim Sammelsurium von EDF sieht das noch etwas unstrukturiert aus, was sich allerdings relativ schnell ändern kann.

Bereits jetzt ist erkennbar, dass das Management bestrebt ist, die vielfältigen Kompetenzen unter der Führung von Hynamics zusammenzuziehen. Wenn dieser Prozess in vielleicht zwei Jahren abgeschlossen sein wird und der Konzern im großen Stil investiert, dann könnte er bis dahin über einen einzigartigen Spieler in der Wasserstoffwirtschaft verfügen, der sehr schnell auf größere Stückzahlen skalieren kann.

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EDF kann sich schließlich seinen Markt fast selbst schaffen, indem es eigene Elektrolyseanlagen mit eigenem Strom auslastet, den Wasserstoff mit eigenen Kapazitäten speichert und zu eigenen Tankstellen transportiert. So entstehen Größenvorteile, die die Stückkosten nach unten treiben und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Was einerseits eine Gefahr für NELs Position darstellt, kann andererseits auch eine Chance bedeuten. Denn ein entscheidendes Element fehlt in dieser Kette noch: die Abnehmer des Wasserstoffs, auf die beide angewiesen sind. An dieser Front kann NEL Mitstreiter mit tiefen Taschen gut gebrauchen, um den Markt zu entwickeln. Selbst wenn es also in Frankreich schwierig werden dürfte, sich gegen die starke lokale Konkurrenz durchzusetzen, könnte NEL von einer beschleunigten Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft profitieren.

Es kommt auf die Balance an

Eine Handvoll starker Spieler, die ähnlich wie NEL engagiert das Wasserstoffthema vorantreiben, kann man sich also nur wünschen. Sollten allerdings über die kommenden Jahre zahlreiche Konzerne auf die Idee kommen, große Ressourcen in die Entwicklung konkurrierender Lösungen zu stecken, könnte es ein Gedränge geben, das zu sehr auf die Margen drückt. Deshalb ist für mich die Wettbewerbsdynamik ein entscheidender Faktor für die NEL-Aktie.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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